Blog

Schreiben für Seeking Alpha - a tough job

Seit Februar dieses Jahrs veröffentliche ich unter anderem auch Artikel auf Seeking Alpha (SA). SA ist eine der renommiertesten Adressen, unter denen man als Nicht-Angestellter einer Finanzinstitution veröffentlichen kann. Im Rahmen meiner englischsprachigen Charme-Offensive für den Aktienfinder und dem zugrunde liegenden Model zur Bestimmung langfristigen Gewinnwachstums, habe ich mich für das Veröffentlichen auf SA entschieden.

Seeking Alpha Authorenprofil
So sieht mein Autorenprofil auf Seeking Alpha aus

Ich besitze genügend Lebenserfahrung um zu wissen, dass man mit eigenen Ansichten leicht aneckt. Insbesondere wenn man Zöpfe abschneidet, die den Perücken anderer gehören. Entsprechend bin ich die Sache langsam angegangen. D.h. ich habe erst einmal relativ „unverdächtig“ über europäische Dividendenaktien geschrieben. Das Nette am Aktienfinder ist, dass auch nicht US-Aktien abgedeckt werden. Und SA ist auf der Suche nach Autoren, die auch über Aktien außerhalb der USA schreiben können.

Entsprechend handelten meine ersten Artikel von britischen und deutschen Dividendenaktien. Beim Schreiben dieser Artikel wurde mir erst richtig bewusst, wie unterschiedlich die Dividendenkulturen sind, und dass die USA mit ihrem Kult der Dividendenaristokraten eine Extremform darstellen. Über die Kommentare habe ich einige nette Autoren kennen gelernt und die ersten Follower trudelten ein.

Danach hatte ich mich an einer tiefergehenden Unternehmensanalyse zu Novozymes versucht. Schließlich propagiert SA die Veröffentlichung von Artikeln vernachlässigter Aktien. Leider standen Aufwand und Nutzen in keinem günstigen Verhältnis. Der Artikel wurde kaum geklickt. Deshalb sah ich von weiteren Einzelanalysen ab. Der Zeitpunkt war gekommen, die Katze aus dem Sack zu lassen.

Kennzahlen-Bashing und Präsentation des Gegenentwurfs

Ich schrieb sodann an einem Zweiteiler. Im ersten Teil stellte ich als Vorbereitung auf meinen eigenen Ansatz populäre Kennzahlen und Dogmen in Frage. Die Reaktion fiel noch stärker aus als erwartet. Insbesondere unter den „Dividend Growth Investors“ (DGI) regte sich Widerstand, wobei sich zeigte, dass es schwer bis unmöglich war, mit den hitzigsten Kommentatoren konstruktiv zu diskutieren. Einige Kommentatoren mahnten zur Ruhe und andere waren beinahe entsetzt über die teils heftige Art und Weise der „Gegenwehr“ und schrieben mich sogar persönlich an. Insgesamt durfte ich mich über 160 – darunter auch viele wohlwollende - Kommentare und eine nette Klickrate freuen.

Den zweiten Teil schob ich gut eine Woche später nach. Eigentlich war ein kürzerer Abstand geplant. Aber der zweite Teil wurde zunächst abgelehnt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Editoren bei SA eingereichte Artikel nicht durchwinken, sondern konstruktiv-kritisch sezieren. Beanstandet wurde nicht mein Model sowie dessen Logik an sich. Es fehlt „der Beweis“, dass es funktionierte. Auch das war eine interessante Erfahrung, die im Nachhinein jedoch nicht überraschend war. Derjenige, der mit etwas Neuem kommt, ist nicht nur der Kritik, sondern auch der Beweispflicht ausgesetzt. Das wusste schon Galileo und wird wohl auf ewig so bleiben.

Der Vorschlag der Editoren lautete, ein Musterdepot aufzusetzen und mein Model daran in der Praxis auszuprobieren. Andere Autoren würden das genauso tun. Der Gedanke, ein allgemeines Model an einem Portfolio mit einer Handvoll Aktien beweisen zu wollen, mutete mir fremd an. Glücklicherweise verfüge ich über eine Datenbank und so über die Möglichkeit, einen Backtest zu führen. Ein solches Vorhaben hatte ich schon länger vor, nur hatte mich der Aufwand bisher zurückgeschreckt. Rund zwei Tage habe ich an Entwurf und Umsetzung des Backtests verbracht. Für jemanden, der ein kleines Unternehmen weitgehend alleine stemmt, eine Menge Zeit. Aber es hat es sich gelohnt.

Der zweite Teil stieß auf einheitlich positive Resonanz. Die aufgeregten Kommentare des ersten Teils fehlten ganz. Entsprechend fiel auch die Anzahl der Rückmeldungen geringer aus.  Dafür bekam ich anderweitig Resonanz. Es meldeten sich Vermögensverwalter aus den USA. Der erste Vertag mit einem Interessenten aus Texas war eine Woche nach Veröffentlichung des zweiten Teils unter Dach und Fach. Auch SA kam auf mich zu und lud mich ein, mich für ihren „Market Place“ zu bewerben, um gemeinsam mein Angebot zu vermarkten. Von diesem Abenteuer halte ich mich derzeit jedoch noch fern.

Fazit: It’s a long way to Tipperaray

Es läuft an, doch bis der englische Aktienfinder eine Bekanntheit wie hierzulande erlangt, ist es noch ein weiter Weg. Das war es auch hier, allerdings war der eingeschlagene Weg der über jahrelanges Bloggen gewesen. Dieser Weg hat Spaß gemacht. Ich habe großartige Leute kennen gelernt, sehr viele hilfreiche Rückmeldungen bekommen, eine kleine Community gewonnen und konnte so letztlich den Aktienfinder zu dem machen, was er heute ist.

Noch einmal diesen Weg auf Englisch zu gehen ist mir jedoch zu mühsam. Ich werde also weiterhin Artikel veröffentlichen und hoffen, möglichst viel gelesen zu werden. Die ersten Rückmeldungen bisher machen Hoffnung, dass auch dieser Weg zum Erfolg führt.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an all diejenigen, die nicht davor zurückgeschreckt sind, sich mit dem Aktienfinder auf etwas Neues einzulassen. Wenn ich die Rückmeldungen in meinem Postfach sehe, bin ich davon überzeugt, dass es auch für die meisten Mitglieder eine gute Entscheidung war.

Zum Abschluss der netteste Kommentar der letzten fünf Tage:

„Meine Begeisterung für das, was Sie hier auf die Beine gestellt haben hat sich seitdem nicht verändert. … [es ist] kaum zu glauben, dass es immer noch nichts Vergleichbares gibt.“

Zurück zum Blog

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Klugscheißer |

Du meinst sicherlich "tough" job, oder?

Antwort von Torsten

Du solltest dich bei SA als Editor bewerben. ;)

Kommentar von Klugscheißer |

Besser nicht ;) Deine Artikel sind schon sehr gut, weiterhin viel Erfolg damit!